Gigabyte Osmium – Blaues Gaming-Edelmetall?

Einleitung

Schalter von Cherry sind weiter auf dem Siegeszug: Kaum ein Hersteller hat keine mechanische Tastatur mit den mittlerweile zum echten Trendobjekt verkommenen Tasten im Programm, denn für viele Käufer rechtfertigen die zahlreichen Vorzüge den deutlichen Mehrpreis. Dazu zählen unter anderem die Langlebigkeit mit 50 Millionen Tastenanschlägen, gutes Ghosting- und Rollover-Verhalten sowie das vom Apfelhersteller bekannte Premium-Gefühl.

Auch Gigabyte kann sich den Luxuslinern nicht entziehen. Unter dem Gaming-Label „Aivia“ präsentiert der taiwanische Hersteller eine eigene Adaption mit den beliebten, quasi in fast jedem mechanischen Eingabegerät zu findenden Cherry-Schaltern in der (kirsch-)roten Version. Um sich dennoch aus der Masse hervorzutun, bleibt lediglich das Featureset – hier hat Gigabyte ein paar interessante Ideen umgesetzt, die die blau beleuchtete Osmium tatsächlich aus der Masse hervorschauen lassen.

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium

Neben den fast schon obligatorischen Makro- und Profilfunktionen wurde die Tastatur mit separaten Makrotasten ausgestattet. Wie üblich sind zudem Media-Hotkeys vorhanden, die per FN-Schalter genutzt werden. Zur stufenlosen Regelung von Helligkeit und Lautstärke spendiert Gigabyte überdies zwei Scrollräder, die zu den eher selteneren, aber in der Regel umso komfortableren Ausstattungsmerkmalen gehören. Auch ein USB-Hub gehört zum guten Ton – ist im aktuellen 3.0-Standard jedoch ein echtes Novum, ebenso wie die 64-Key-Rollover-Eigenschaften. Wie schon bei der Mionix Zibal 60 entscheidet jedoch gerade im Premium-Segment die Umsetzung gerade dieser Alleinstellungsmerkmale über Erfolg und Misserfolg. Ob die blaue Osmium dem namensgebenden Edel-Edelmetall gerecht wird, klären wir im Test.

Technischer Überblick

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Abmessungen 44,7 × 19 × 4,4 cm (L × B × H)
Gewicht 1572 g
Kabel 2 m, extra dick, Sleeve
Anschluss 2 x USB, Audio, Micro
Taster Cherry MX „red“, 45 g Auslösegewicht, 50 mio Ausführungen
N-Key roll over Auf 64 limitiert
Multimediakeys Ja, 5 × Makrotasten, volume control, play, pause, stop, skip tracks
Beleuchtung Ja, verschiedene Helligkeitsstufen
Hub-Funktion 1 × USB 2.0, 1 × USB 3.0, 3,5 mm Audio-out, Micro-in
Spezial Helligkeits- und Lautstärkeregelung per Drehrad, Profile, interner Speicher
Software Ja
Kompatibilität Windows XP, Vista, 7
Preisvergleich – Euro (noch nicht verfügbar, voraussichtlich 90 Euro)

Äußerlichkeiten

Ebenso schwarz-blau wie die Tastatur kommt auch der Karton daher, dessen Inhalt recht mager ausfällt: Vier Caps für die Makro-Tasten mit besonderem „Symbol“ sowie ein Werkzeug zum entfernen selbiger sind neben der Osmium samt Handballenauflage alles, was Gigabyte spendiert. Einen Quick-Start-Guide gibt es nur laut Verpackung, eine Software-CD überhaupt nicht – ein unschöner Zug. Denn ohne Gigabytes „Ghost Macro Engine“ kann die Tastatur nur in fast vollem Umfang genutzt werden, da so das Erstellen und Speichern von Makros nicht möglich ist. Immerhin wird auf der Rückseite der Verpackung ein entsprechende Hinweis auf die Homepage des Herstellers gegeben, sodass Käufer nicht komplett im Dunkeln tappen müssen.

Gigabyte Osmium – Totale
Gigabyte Osmium – Totale
Knapper Lieferumfang
Knapper Lieferumfang
Tastenanstieg & Gehäusehöhe
Tastenanstieg & Gehäusehöhe

Die Osmium selbst nimmt inklusive der Sondertasten die 44,7 × 19 Zentimeter in Länge und Breite kaum mehr Platz ein als andere mechanischen Tastaturen im Normlayout, da alle Zusatzfunktionen oberhalb des Tastenfeldes liegen. Weitere 7,8 Zentimeter in der Breite addieren sich durch die Verwendung der ergonomisch kaum optional zu nennenden Handballenauflage. Dank insgesamt vier Aufstellfüßen kann zudem die maximale Höhe der Osmium variiert werden: Bis zur Oberkante der Caps gemessen ergibt sich ein Maximalwert zwischen 4,1 und 5,6 Zentimetern. An der Vorderseite ragen Chassis samt Caps immerhin noch 3,2 oder mit Aufstellfüßen 3,7 Zentimeter in die Höhe.

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Vier Aufstellfüße an der Unterseite
Vier Aufstellfüße an der Unterseite

Material der Wahl am Gehäuse ist, bis auf das übliche Metall-Inlay, Kunststoff in mattem Schwarz und rauer Oberfläche. Das sorgt für akzeptable Schmutzresistenz bei guter Griffigkeit, woraus sich gleichzeitig ein recht hohes Gewicht von etwa anderthalb Kilogramm sowie eine hohe Verwindungssteifigkeit ergibt. Zusammen mit den gummierten Standfüßen verweilt die Osmium daher auch auf glatteren Oberflächen an ihrem Platz.

Für die anvisierte Zielgruppe wurde das hinreichend bekannte, 105-Tasten-Layout um einige Zusatzfunktionen ergänzt. Anstelle des rechten Windows-Buttons besitzt die Osmium nun einen FN-Schalter für die Medienfunktionen sowie einen weiteren zur Deaktivierung der noch vorhandenen, linken Windows-Taste. Am oberen Rand der Tastatur liegen hingegen fünf „G-Keys“, die sich mit Makros frei belegen lassen. Direkt rechts davon sind die beiden Drehregler für Helligkeits- und Lautstärkeregelung zu finden. Die aus dem Baukasten stammenden Räder können außerdem per Druck stumm beziehungsweise dunkel schalten – funktional und praktisch.

Praktische Wahlräder
Praktische Wahlräder
Fünf Makrotasten
Fünf Makrotasten
Tastenoberfläche
Tastenoberfläche

Die Tasten selbst sind wie in dieser Preisklasse üblich aus durchsichtigem Kunststoff gefertigt, der lediglich schwarz beschichtet wurde. Die Oberfläche der leicht zylindrischen Caps mit einer Auflagefläche von 12,5 × 14 Millimetern ist dabei nur minimal strukturiert, vermittelt also einen recht glatten Eindruck. Größere Tasten wie etwa „Shift“ sind zudem mittels Bügelhalterung von Costar stabilisiert, was das Tippgefühl prinzipiell erhält, gleichwohl aber für etwas Spiel sorgt.

Sämtliche Beschriftungen wurden per Lasercut-Verfahren aus der Beschichtung der Caps „ausgeschnitten“, was vor Abrieb schützt. Ewig haltbar ist diese Methode zumindest theoretisch nicht, da die Beschichtung als solche wie die herkömmlichen, aufgedruckten Tastenbeschriftungen zumindest theoretisch ebenso verschleißt. Allerdings gehört sie zu den bezahlbaren und besseren, in dieser Preisklasse daher zum Standard. Während des vierwöchigen Testzeitraumes ließen sich daher – wenig überraschend – keinerlei Abnutzungserscheinungen feststellen. Trotz des durchsichtigen Grundmaterials leidet überdies auch ohne Beleuchtung die Ablesbarkeit nur in Grenzen. Schicker ist das blaue Licht allerdings, für das wie bei mechanischen Tastaturen üblich LEDs zuständig sind, die direkt oberhalb der Switches selbst liegen.

Blaues Licht mit schönem Schein
Blaues Licht mit schönem Schein
Fast gleichmäßige Ausleuchtung
Fast gleichmäßige Ausleuchtung
Aktivierte LEDs
Aktivierte LEDs
Profilumschalter & mit Status-LEDs
Profilumschalter & mit Status-LEDs

Bauartbedingt leidet darunter wie schon bei der Zibal 60 von Mionix die Ausleuchtung, die so nicht auf ganzer Tastenbreite gleichmäßig sein kann. Dies fällt bei einigen Caps, etwa dem Windows-Button oder solchen mit Zweitbelegungen, durchaus unschön auf. Bei geringer Helligkeitseinstellung wandert der Farbton zudem mit zunehmender Entfernung zur Leuchtquelle in Richtung eines schwachen Violetts, zudem ist bei genauem Hingucken die Farbintensität nicht komplett homogen. Ein weiteres, nicht bauartbedingtes Manko liegt in der Helligkeitsregelung selbst begraben. Diese greift leider nicht bei den Status-LEDs: Num-, Caps-, und Scrolllock über dem Nummernfeld werden immer mit maximaler Kraft erleuchtet. Überdies kann hier die Position der LEDs klar wahrgenommen werden, welche ohne jegliche Eingewöhnung durchaus ins Auge stechen – ein wirklich scharfes Feature. Angesichts des aufgerufenen Preises fällt beides in die Kategorie erwähnenswerter und zumindest unglücklicher Punkte.

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium – I/O-Anschlüsse
Gigabyte Osmium – I/O-Anschlüsse
Gigabyte Osmium – Kabelstrang
Gigabyte Osmium – Kabelstrang

Das direkt darüber liegende Logo der Gamingserie ist von kraftvollen Beleuchtungsorgien bei normalem Sitzabstand zum Glück kaum betroffen. Die jeweils genutzte Farbe, wahlweise in pulsierendem Beleuchtungsmodus, gibt hier Auskunft über das derzeit aktive Profil, während ein Druck auf das Logo selbige in Reihe durchschaltet.

Der I/O-Hub der Aivia-Tastatur findet sich ebenfalls in dieser Ecke des Chassis. Direkt hinter der Profiltaste liegt am rückseitigen Ende des Gehäuses wie üblich der USB-2.0-Port, während der Anschluss im moderneren 3.0-Standard zusammen mit Audio-In und -Out besser zugänglich rechtsseitig untergebracht wurde. Die Einbauhöhe auf Gehäusemitte gewährleistet zudem auch ohne das Aufstellen der Standfüße eine gute Erreichbarkeit. Für die Strom- und Datenzufuhr der Anschlusszentrale sorgt ein recht dickes, mit Sleeve ummanteltes Kabel von insgesamt zwei Metern Länge. Die recht üppig bemessenes „Lebensader“ der Tastatur ist trotz des Durchmessers erstaunlich gut zu verlegen und teilt sich für die letzten 30 Zentimeter Wegstrecke in einzelne Adern auf. Da für den blauen USB-Port ein separates Kabel vorhanden ist, kann zumindest dieser auch durstigere Geräte versorgen.

Tastencheck

Für die Osmium greift Gigabyte auf die „roten“ Cherry-MX-Schalter zurück, welche wie ihre Geschwister eine durchschnittliche Lebensdauer von 50 Millionen Anschlägen versprechen. Dabei bleibt das Tippgefühl durch die Verwendung von mechanischen Federn stets gleich, während die günstigen „Rubberdome“-Modelle auf Basis einer Gummimatte ihr Eingabeverhalten durch materialbedingte Alterungsprozesse verändern. Nachteil der mechanischen Schalter ist jedoch unter anderem neben der teils deutlich gesteigerten Lärmentwicklung beim Tippen ihr immenser Fertigungsaufwand, da für jedes Exemplar drei Einzelteile hergestellt werden müssen. Das treibt die Kosten entsprechend in die Höhe. Allerdings wird für Cherry-Schalter, ähnlich Apple-Produkten, eine ganze Bandbreite an Zubehör angeboten, das wie beim Hersteller aus Cupertino mit recht vielen Münzen bezahlt werden will. Erhältlich sind unter anderem Caps in verschiedenen Fertigungsverfahren und Designs sowie beispielsweise „O-Ringe“. Hierbei handelt es sich im Prinzip um Unterlegscheiben aus Gummi, die zwischen Cap und Schalter geklemmt werden. Diese verhindern das „klackernde“ Geräusch, das durch das Ausnutzen des gesamten Anschlagweges der Schalter entsteht und die Lärmkulisse effektiv reduziert.

Cherry MX-Schalter
Cherry MX-Schalter

Die in der Osmium verbauten, rot kodierten Cherry-Schalter verfügen über einen Federweg von insgesamt vier Millimetern bei linear steigendem Widerstand. Ein Signal wird im Gegensatz zu Rubberdome-Tastaturen jedoch schon bei der Hälfte des Tastenweges und rund 45 Gramm Kraftaufwand übertragen. Das vollständige Durchdrücken der Schalter ist damit ebenso wie das Überwinden eines spezifischen Widerstandes, der bei den günstigen „Gummiglocken“ bei etwa 50 bis 60 Gramm liegt, nicht nötig. Dies kann die Tippgeschwindigkeit insgesamt erhöhen, da Tasten in etwas schnellerer Reihenfolge hintereinander gedrückt werden können. Der Vorteil liegt durch das Fehlen eines Signalpunktes speziell in der Möglichkeit, während des Drückens einer Taste bereits eine weitere „auf den Weg“ zu schicken. Weil aufgrund dieser Bauart außerdem keine Auslösebestätigung abseits einer Eingabe auf dem Bildschirm erfolgt, können geübte Nutzer das bei der Nutzung entstehende Geräuschniveau mit etwas Übung erheblich verringern, indem sie die Schalter nicht bis zum Schaftende herunterdrücken. Dies setzt idealerweise aber „Touch Typing“, also das 10-Finger-System voraus. Eine sogenanntes „taktiles“ Feedback beim Tippen mit einem deutlich höheren Widerstand vor dem Signalpunkt auf mechanischer und wahlweise akustischer Ebene vermitteln erst braun oder blau codierte Schalter.

Gigabyte Osmium – Cherry-MX-Schalter
Gigabyte Osmium – Cherry-MX-Schalter
Gigabyte Osmium – Caps
Gigabyte Osmium – Caps
Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium

Alltagserfahrungen

Durch die roten MX-Schalter vermittelt natürlich auch die Osmium ein Tippgefühl wie alle anderen Tastaturen mit gleicher Ausstattung. Im Gegensatz zu Versionen mit schwarzer Bestückung, etwa der Mionix Zibal 60 (ComputerBase-Test) oder günstigen Rubberdome-Varianten, gehen Eingaben dank des geringeren Auslösewiderstandes aber prinzipiell deutlich leichter und mithin auch schneller von der Hand. Durch das hohe Gehäuse sowie die Höhe der Tasten selbst, letztere nicht ungewöhnlich, ist allerdings die Verwendung der Handballenauflage dringend ratsam. Dank eines Abstandes von vier Millimetern in vertikaler und 6,5 Millimetern in horizontaler Richtung lassen sich einzelne Tasten auch ohne Blickkontakt gut differenzieren, was die Orientierung beim Tippen erleichtert. Eine längere Eingewöhnungsphase kann dennoch gerade aufgrund des für Umsteiger ungewohnten Fehlens eines Auslösewiderstandes in Verbindung mit dem recht frühen Signalpunkt der Schalter bei der Hälfte des Federweges unerlässlich werden. Entsprechend besteht mit diesen Switches zunächst die Gefahr von Vertippern hinsichtlich doppelt auftauchenden oder aufgrund der speziellen Charakteristik der linearen Schalter versehentlich eingegebenen Tastenkommandos.

Im direkten Vergleich mit den MX-Blacks erweisen sich die roten Varianten zumindest für das subjektive Empfinden des Autors als die bessere Version: Schnelle und – wie bei allen mechanischen Schaltern – präzise Eingaben lassen sich hier deutlich unangestrengter und im längeren Einsatz ermüdungsfreier tätigen. Der geringe Auslösewiderstand hilft zudem bei der Reduzierung von Lärmemissionen: Zum Einen ist es hier einfacher, Tasten nur bis zum Signalpunkt zu drücken, zum Anderen verringert sich durch diese Eigenheit die Gefahr, die Schalter mit viel Kraft – klack, klack – bis zum Anschlag zu prügeln. Ohnehin gehören die sogenannten „Reds“ zu den leiseren Cherry-Schaltern, welche mithin, abhängig vom Nutzer, nicht lauter als herkömmliche Rubberdome-Varianten sein müssen. Profis erreichen aber auch das Niveau guter „Notebook-Tastaturen“, indem sie die Tasten nicht komplett auslenken. Dann verbleibt lediglich das Schaben der Schalter in ihren Führungen als Geräuschquelle.

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium

Abseits des geschmacksabhängigen Schalterfeedbacks sorgt lediglich die Position der Mediatasten in Verbindung mit dem dafür benötigen FN-Schalter für Grund zur Kritik: Beim normalem Tippen ist das eine komfortable Lösung, da die Greifwerkzeuge kaum aus der Normalposition entfernt werden müssen, beim Spielen hingegen – laut Marketing-Charts der Daseinszweck der Osmium – jedoch deutlich weniger praktikabel. Hier reicht eine Hand schlicht nicht ohne wilde und unbequeme Verrenkungen zum Betätigen aus. Glücklicherweise lassen sich die selben Funktionen noch einmal auf die „G“-Tasten legen, was direkt zum nächsten Kritikpunkt führt. Denn die Osmium speichert zwar ihre Beleuchtungseinstellungen, nicht jedoch das aktive Profil beim Herunterfahren des Rechners. Zwar können Windows-Funktionen auf das erste, blau kodierte Profil gelegt werden, schön ist diese Lösung für Freunde alternativer Farben jedoch nicht. Ein Detail, das in dieser Preisklasse eindeutig an Relevanz gewinnt.

N-Key-Rollover: Nur mit drei Händen auszulasten
N-Key-Rollover: Nur mit drei Händen auszulasten

Andere Gaming-Funktionen beherrscht das Luxusgerät deutlich besser. So waren im Testbetrieb weder Ghosting noch Blocking festzustellen und auch die Rollover-Fähigkeiten entsprechen, soweit sie ausgereizt werden konnten, dem Beworbenen. Zwar lassen sich derart viele Tasten auch mit drei Händen nicht einmal annähernd gleichzeitig drücken, eine ganze Menge Eingaben konnten dennoch gleichzeitig getätigt werden. Bei Makros wird die Schluckfähigkeit der Tastenmatrix dann zumindest theoretisch limitiert, da nicht mehr als 14 Kommandos gleichzeitig möglich waren. Auch das liegt allerdings über dem üblichen Limit eines USB-Anschlusses mit 6-Key-Rollover.

Software

Gigabytes „Ghost Macro Engine“, die direkt von der Homepage des Herstellers heruntergeladen werden muss, bietet überwiegend Hausmannskost. Eher seltsame Untermenüs etwa zum Wechseln der Profile im Punkt „Einstellungen“ – was im Reiter „Profile“ ebenfalls deutlich fixer möglich ist – zeugen von eher wenig durchdachtem Aufbau. Gleiches gilt für das Hauptmenü, welches neben Links zur (asiatischen) Herstellerhomepage und einem Supportforum lediglich das Wechseln des Aivia-Eingabegerätes ermöglicht. Auch die Übersetzung ist nicht ganz ohne Fehler, da beim Löschen des internen Tastatur-Speichers von einer Maus die Rede ist, was der „Ghost Macro Engine“ einen ziemlich lieblosen Anstrich gibt.

Ghost Makro Engine – Hauptmenü
Ghost Makro Engine – Hauptmenü
Ghost Makro Engine – Einstellungen
Ghost Makro Engine – Einstellungen
Ghost Makro Engine – Profile
Ghost Makro Engine – Profile

Abgesehen von diesen kleinen, nur am Rande störenden Details wurde das Kernfeature, das Konfigurieren und Erstellen von Makros und Zusatzfunktionen zwar gut gelöst, aber ebenfalls nicht vollständig durchdacht. Lediglich die separaten Makrotasten konfigurieren zu lassen, erscheint heute keinesfalls mehr zeitgemäß, gerade und insbesondere bei verschiedenen Profilen. Die Option, selbige beim Start bestimmter Programme automatisch aufzurufen, fehlt ebenso. Da nicht einmal das aktive Profil beim Herunterfahren des Rechners gespeichert wird, schränkt das den tatsächlichen Nutzwert unter Umständen erheblich ein, vom Bedienkomfort einmal ganz zu schweigen.

Ghost Makro Engine – Standardfunktionen
Ghost Makro Engine – Standardfunktionen
Ghost Makro Engine – Makromenü
Ghost Makro Engine – Makromenü

Dafür können neben bestimmten Tastenkombinationen, Funktionen und Shortcuts auch Browser und Mediaplayer aufgerufen werden. Neue Programme lassen sich allerdings abseits der Vorauswahl von Gigabyte nicht hinzufügen. Generell sind Makros auf Eingaben von Maus und Tastatur begrenzt, lassen diesbezüglich aber immerhin nichts zu wünschen übrig. Verschiedene Ausgabemodi (einmalig, in Schleife, bei gedrückter Taste) sind ebenso wie eine Aufnahmefunktion, Optionen zur Eingabeverzögerung und zum Editieren der Tastenfolge vorhanden. Abgesehen davon bietet die Osmium hier aber eher Dünnblech als das namensgebende Edelmetall: Insgesamt bleiben die Makrooptionen im Vergleich mit Konkurrenzgeräten teils erschreckend rudimentär.

Fazit

Teufel und Detail sind gerne genommene Fallstricke, selbst wenn wie bei mechanischen Tastaturen Kerntechnologien wie Schalter zugekauft werden. Auch die Osmium erweist sich als keinesfalls perfektes Produkt, sondern hat ebenso wie ihr Design Ecken und Kanten. Ergonomisch läuft die Aivia-Tastatur eindeutig in die richtige Richtung, sofern die leichtgängigen, roten Schalter das individuell unterschiedliche Tippgefühl der Wahl vermitteln. Ein rutschfester Stand sowie die matte, schmutzresistente Oberfläche sorgen für den Rest. Funktional sind weiterhin die Zusatzfunktionen, welche sich von den USB-Ports über die Audio-Anschlüsse bis hin zu den Sondertasten gut erreichen und bestücken lassen. Dies gilt außerdem für die im Alltag ungemein praktischen Wahlräder und den fixen USB-3.0-Steckplatz.

Das „Aber“ folgt allerdings auf dem Fuße, denn im beinahe dreistelligen Preisbereich darf ein Produkt gerne mit letzter Konsequenz zu Ende gedacht werden. Gigabyte ist das letztlich nicht komplett gelungen: So werden die Status-LEDs über dem Nummernblock nicht gedimmt, die übrigen Caps bauartbedingt nicht perfekt ausgeleuchtet, das gewählte Tastenprofil nicht gespeichert und auch die Software könnte deutlich mehr Funktionen bieten. Gerade die Makros auf die dafür vorgesehenen Tasten zu begrenzen, schränkt nicht nur in Spielen gegebenenfalls unnötig ein.

Gigabyte Osmium
Gigabyte Osmium

Zum guten Ton einer „Gaming-Tastatur“ gehört überdies die Verknüpfung von Profilen mit Programmen sowie die freie Belegung von Makros und Tasten. Da die Osmium dediziert das „Gaming“-Segment besetzen soll, verwundert der Kahlschlag diesbezüglich umso mehr, was auch für die Anordnung der „FN“-Taste samt Mediashortcuts gilt – einhändig sind beide zusammen kaum zu erreichen. In die gleiche Kategorie fällt eigentlich auch eine Treiber-CD. Ins Blaue geschossen wurde hier vermutlich versucht, den USB-3.0-Port finanziell abzufedern, um die Tastatur dennoch im gewünschten Preisrahmen anbieten zu können. Ganz Gaming ist im blauen Gigabyte-Land also nicht alles, da die Aivia hier und da letzte Konsequenz vermissen lässt.

Kapitale Fehler leistet sich die Osmium allerdings nicht, weshalb sie als hochwertiges Luxus-Eingabegerät mit praktischen Zusatzfunktionen durchaus eine Empfehlung wert ist. Dafür sorgen allein die hochwertigen Switches und die sinnvollen Sondertasten – sofern die Makro-Funktionalität im gebotenen Umfang ausreicht oder nicht primär kaufentscheidend ist.

Zur Zeit ist die Gigabyte Osmium in Deutschland noch nicht erhältlich, dürfte aber bald für rund 90 Euro in den Handel kommen. Angesichts der Ausstattung wäre das ein sehr guter Kurs und ließe die kleineren Unpässlichkeiten schnell vergessen.

Quelle: http://www.computerbase.de/artikel/peripherie/2012/test-gigabyte-osmium/

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